Durch die Familienplanungsprogramme werden die Eheleute, im besonderen die Frauen, in die Lage versetzt, Kinderzahl und Geburtenabstand eigenständig zu planen und zu bestimmen. Die Ernährung, Erziehung und Bildung der Kinder kann bei einer geringeren Kinderzahl besser sichergestellt werden. Das unkontrollierte Anwachsen der Bevölkerung bei gleichbleibenden Ressourcen (wie z.B. Ackerland) und die daraus resultierenden Folgen der weiteren Verarmung sollen eingedämmt werden.
Karlheinz Böhm steht vor der großen Menschenansammlung und ruft ihnen eindringlich zu: Ihr dürft Eure Töchter nicht vor dem 18. Jahr verheiraten. Nicht nur, weil auch die Mädchen erwachsen in die Ehe gehen sollten, sondern auch um zu verhindern, dass die Bevölkerung weiterhin so schnell wächst. Was wollt ihr Euren Kindern zum Leben geben, wenn die Grundstücke immer weiter geteilt werden müssen, bis schließlich keiner mehr davon leben kann?“
Diese direkten Worte treffen genau die Sorge der Eltern, Ihren Kindern nicht gerecht werden zu können. Eine Veränderung muss her – das Heirats-Mindestalter der Mädchen wird mit 18 Jahren festgelegt und ein Komitee von angesehenen Personen überwacht deren Einhaltung. So können die Mädchen mindestens bis 18 bei ihr Familie bleiben und in die Schule gehen. Und in ihren ersten fruchtbaren 5 oder 6 Jahren, in denen sie noch nicht verheiratet sind, müssen sie (oft selbst noch Kinder) keine Kinder bekommen.
Die praktische Durchführung geschieht z.B. durch:
· Information auf Dorfebene mittels Einzelveranstaltungen oder Großversammlungen (wie jene, an denen Karlheinz Böhm oft selbst teilnimmt), Kurse für Promotoren (z.B. Lehrer, Priester, Imame, Sheiks oder andere angesehene Persönlichkeiten) auf Gemeindeebene
- Vergabe von Verhütungsmitteln, direkt in den MfM-Krankenstationen oder über Gesundheitsdienste: Hormoninjektionen und –implantate, Anti-Baby-Pillen und Kondome
- Aus- und Fortbildung für medizinisches Fachpersonal und Promotoren auf Gemeindeebene
- Volkstheaterstücke (“drama”), Lieder und Gedichte über die Probleme der Frühheirat und zu vieler Kinder, die meist durch Schüler/innen in die Dörfer gebracht werden erfreuen sich großer Beliebtheit.
- MfM informiert in den Schulen und unterstützt die Theatergruppen, die wichtige Aufklärungsarbeit leisten.
- HIV/AIDS-Vorsorge, Mädchenbeschneidung und Kinderehe werden meist gleichzeitig behandelt
Was es bedeutet, eine kleine gesunde Familie zu haben, wissen wir. Was es bedeutet mit 8 Jahren verheiratet zu werden und mit 12 oder 13 das erste Kind zu bekommen, können wir uns kaum vorstellen. Darum und um aufzuzeigen, wie das durch Menschen für Menschen verhindert wird, lesen Sie nachstehendes Portrait: „Nani und das Komitee“ aus dem Buch „Nagaya heißt Frieden“, das die Journalistin Beate Wedekind anlässlich 25 Jahren Menschen für Menschen geschrieben hat.
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